Wirkung der Fotografie auf meinen Kopf

Jetzt fotografie ich schon gefühlt sehr lange. Trotzdem gibt es Phase in denen mir die Fotografie Angst macht und ich von heute auf morgen keine Lust mehr habe. Ich habe darüber nachgedacht und denke nun das es mit nicht-lust-haben nicht zu tun hat. Es ist Angst. Angst etwas neues zu machen. Angst zu versagen. Angst noch einsamer mit seiner Passion dazustehen, wie man es sowieso schon tun. Tag ein Tag aus denke ich darüber nach was ich tun könnte um etwas zu tun, das mir das Gefühl gibt etwas zu machen was aus mir heraus spricht und nicht etwas ästhetisches zu tun. Je mehr ich versuche es zu ändern desto mehr ändert es mich. So nach dem Motto, wenn du dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel, sondern der Teufel verändert dich.

Ich habe das Gefühl es existieren 2 Arten von Fotoszenen(anderes weiß ich es nicht zu bezeichnen). Einmal die polierte Internet Fotografie, wo jeder versucht zu glänzen und likes zu sammeln. Jeder Fotograf TFP machen will und jedes Model bezahlt werden will. Es ist ein Schublade in der es mir langsam zu eng wird.

Die andere Szene ist das wahre Leben. Emotionen, Dinge die passieren, weil sie gerade so passieren. Liebe, Trauer und Tod. Die Bilder generieren wenn du Glück hast mal ein Like aber eigentlich interessiert es niemanden im populärem Web. Sprich Fb, flicker blablabla. Das ist eigentlich etwas was ich immer versuche abzubilden und auch von meine Modellen herauszubekommen. Jedoch denke ich mittlerweile das es einfach zu viel ist was ich erwarte.

Ich liebe meine Fotografie aber ich weiss einfach nicht mehr wohin damit, wohin gehts. Was tun was nicht. Machmal verabrede ich mich auf ein Shooting, freu mich voll drauf und plötzlich bekomme ich dieses Gefühl der Angst. Es macht mich traurig von der einen Seite, neugierig von der anderen Seite. Vielleicht lasse ich es irgendwann einfach sein oder ich entdecke etwas völlig neues.

Micha

5 Kommentare zu „Wirkung der Fotografie auf meinen Kopf“

  1. Moin Micha,
    ich kann ein wenig nachvollziehen, was du meinst (glaube ich). Ich war letztens auf dem Winterfest von Calvin Hollywood. Ich kam ein wenig später, entsprechend war der Raum schon gefüllt mit „Fotografen“. Es war sehr laut, es wurden zig Portfolio-Mappen und -iPads rumgereicht und der Beamer zeigte, wie jemand via Photoshop ein Bild bearbeitete. Der Eindruck, den ich von dem Nachmittag mitnahm: Ohne Photoshop biste nicht, haste keinen Erfolg, haste keine Community. In den folgenden Tagen kam ich ins Grübeln: Was ist meine Fotografie wert, ohne Photoshop, ohne Beauty-Shootings, ohne Rock’n-Roll-Fotografie? Wer will das sehen? Finde ich dafür eigentlich eine Interessengruppe?
    Um es kurz zu machen: Ich glaube, wir laufen hier Gefahr, uns zum Sklaven von „Gefällt mir“s zu machen. Wir schießen nur Fotos und stellen sie online, um das positive Feedback abzugreifen und von der Community auf- und angenommen zu werden. Wir haben Angst vor dem Zustand, dass unsere Fotos keine Beachtung von „Profis“ finden.
    Was hilft dagegen? Gute Frage. Ich glaube, es hilft, auf das zu vertrauen, was du bisher gemacht hast, denn das war gut. Es kam vielleicht nicht in der „polierten Internet Fotografie Welt“ an, aber muss es das denn? Die Fotografie hat mir immer in den Momenten viel gegeben, wo ich Menschen mit Fotos glücklich gemacht habe, sei es bei einem Shooting mit einem „Nicht-Modell“ oder bei Hochzeiten. Das Feedback, welches ich da bekomme, wiegt soviel mehr als 100 Likes bei Facebook. Also konzentriere ich mich auf diesen Bereich und versuche nicht, in der Welt von Photoshop, TFP-Shootings und gut bezahlten Amateur-Models Fuß zu fassen. Ich werde sicherlich in Zukunft auch in dem Bereich fotografieren, aber nur, um zu lernen, nicht um dort meine Anerkennung zu gewinnen.
    Also, Kopf hoch, Camera in die Hand und das tollste Hobby der Welt genießen!

  2. Hi

    Ich bin ein wenig sprachlos über deinen tollen Kommentar. Bis gestern dachte ich, ich bin der einzige der so denkt. Ich freu mich voll das es nicht so ist 😉 danke für deine tollen aufbauenden Wort. Den hollywood hab ich schon lange wieder deaboniert. Ich mag seine Message nicht, was natürlich nur auf die Fotografie gemeint ist. Persönlich kenne ich ihn nicht. Aber es ist halt sein Geschäftsmodell und wenn er damit erfolg hat, hat er mein Glückwunsch. Schade ist es das es so auf viele überschwappt und das das mass aller dinge ist.

    Micha

  3. Ich würde nicht sagen, dass Calvin das Maß aller Dinge ist. In seinem Dunstkreis ja, aber ausserhalb gibt es viele tolle Fotografen, die nicht so öffentlichkeitswirksam auftreten, trotzdem tolle Bilder abliefern. Lass dich durch seine Welle nicht blenden oder von deinem Weg abbringen.
    Und unter uns: Gerade am Wochenende habe ich das Posting einer Fotografin gelesen, die auf dieser „Calvin-Welle“ mitsurft, die ebenfalls ab und zu von Zweifeln aufgesucht wird, ob ihre Fotografie „gut genug“ (was auch immer das bedeutet) ist. Es geht also nicht nur uns so :-).
    Aber um eins klarzustellen, damit es mir später nicht vorgeworfen wird :-): Ich konsumiere die Outputs von Calvin auch, speziell die Businesstipps und ich möchte sein Tun nicht verteufeln. Ich sehe nur das Drumherum als nichts, was für mich ein Maßstab ist.

  4. Ich bin keine Fotograf, der für Geld arbeitet. Dies ist der Grund, warum ich an dem ganzen Businesskram garnicht interessiert bin. Mir geht es nur um die Fotografie als solches, und um ein Forum welches eine aktiven Austausch ermöglicht. Es wäre toll ein Geschmacksunabhängiges Gespräch zu führen und die Kunst und nicht den Dunst im Vordergrund stehen zu haben.
    Ich will den Calvin auch nicht kritisieren. Er macht halt sein Ding, das finde es toll. Das was mich stört ist, das (so kommt es mir vor) das die Masse das zum ist Zustand hochstilisiert. Schick mir doch mal bitte einen link zu dem Artikel.
    Lg Micha

  5. Wie schon geschrieben, denke ich, kommt es immer darauf an, wo man hinschaut. Es gibt neben der Community von Calvin viele Fotografen, die anders arbeiten und mit einer anderen Einstellung an die Fotografie rangehen. Dadurch, dass Calvin sich zu vermarkten weiß und sehr medienwirksam auftritt, ist er womöglich gegenwärtiger als andere Fotografen. Aber ich denke, man kann recht gut steuern, mit welchen Informationen man versorgt wird und mit welchen nicht. Sei es durch Facebook oder durch Blogs, ich kann mir ein stückweit aussuchen, was ich lesen möchte und was nicht.
    Schau dir mal die letzte Liveshow von Krolop&Gerst mit dem Stilpiraten an, da hast du eine ganz andere Herangehensweise an die Fotografie, da ist Calvin Hollywood ziemlich weit weg.

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